Wissenschaftliche Doktoratsstudien

TRIALOGUE. Plant – AI – Human

Stefan Kainbacher

TRIALOGUE untersucht hybride künstlerisch-technische Systeme, in denen pflanzliche Biosignale, künstliche Intelligenz (KI), menschliche Wahrnehmung und räumliche Konfigurationen in Echtzeit miteinander verschränkt sind. Ziel des Dissertationsprojekts ist es, verteilte Kognition nicht nur theoretisch zu beschreiben, sondern als ästhetisch erfahrbares und technisch implementiertes System zu operationalisieren.
Ausgangspunkt bilden aktuelle Ansätze aus Pflanzenforschung, KI-Forschung, Biosemiotik, Kybernetik und posthumanistischer Theorie, insbesondere N. Katherine Hayles’ Konzept eines „Integrated Cognitive Framework“, das Kognition als relationalen, verkörperten und nicht-zentralisierten Prozess versteht. Pflanzen, KI, Mensch und Raum werden dabei nicht als getrennte Einheiten betrachtet, sondern als gleichwertige Akteure innerhalb eines hybriden Systems verteilter Agency.
Im Zentrum des Projekts stehen wechselseitige Rückkopplungs-, Koordinations- und Entscheidungsprozesse zwischen biologischen und algorithmischen Systemen. Pflanzliche Biosignale werden mittels sensorischer Interfaces erfasst und in Echtzeit in audiovisuelle, räumliche und algorithmische Prozesse übersetzt. Gleichzeitig untersucht TRIALOGUE Formen algorithmischer Umweltregulation, etwa adaptive Steuerungen von Licht, Klima oder Zeitstrukturen, um Bedingungen nicht-zentraler Agency und systemischer Responsivität experimentell analysierbar zu machen.
Der Raum fungiert dabei nicht lediglich als Präsentationsform, sondern als aktiver Bestandteil der kognitiven Prozesse. Räumliche Anordnungen, zeitliche Verzögerungen, Resonanzen und mediale Übersetzungen beeinflussen die Dynamik des Gesamtsystems und werden selbst Teil der Untersuchung.
TRIALOGUE versteht künstlerische Forschung nicht als Illustration theoretischer Konzepte, sondern als Entwicklung realer experimenteller Systeme, in denen neue Formen verteilter Wahrnehmung, Koordination und Interaktion zwischen biologischen und technischen Akteuren erfahrbar und analytisch reflektierbar werden.
Fachliche Zuordnung:
Verteilte Kognition in hybriden medialen Ökologien

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